Schüssel voll Staub

by stf

Aus der Serie drei Dinge:

Und dazu die Frage: Warum ist deutsches Fernsehen schon schlecht? Und werde ich immer konservativer, wenn ich jetzt sogar schon Artikel aus der Welt lese und das Klagelied um den großen deutschen Roman mitsumme?! Und gibt es da einen Zusammenhang? Gestern nacht, als ich die 4. Staffel von The Wire zuende schaute, dachte ich: die Deutschen sind vielleicht einfach zu blöd und dazu zu faul, um sowas zu schreiben und zu feige, um sowas zu drehen. Man kann auch das ganz alte Argument wieder rauskramen und davon erzählen, dass Hitler alle totgeschlagen oder aus dem Land vertrieben hat, die was auf dem Kasten hatten, was nicht nur für die unmittelbare Generation, sondern auch für die Ausbildung der folgenden Generationen Auswirkungen hatte… und natürlich sind auch alle Filmemacher weggegangen und übrig geblieben sind nur noch die Apparatschicks, deren Enkel jetzt beim Staatsfernsehen von ZDF und ARD die Propaganda machen….

Aber so leicht ist das nicht, es muss noch irgendwas später gewesen sein, ansonsten hätte es nie die 70er gegeben und keinen Kinski und Fassbinder und beim ZDF hat sich auch mal irgendjemand Berlin Alexanderplatz getraut…. Heute reicht es nur noch dazu, Mad Men auf ZDF-NEO zu verbuddeln (und scheußlich zu synchronisieren), und die Sopranos in umgekehrter Reihenfolge auf verschiedenen Sendeplätzen mal vor mal nach Mitternacht, und wenn sie mal für so ein zweifelhaftes Machwerk wie “Im Angesicht des Verbrechens” gelobt werden, dann ist das allen gleich so peinlich, dass sie gleich noch 10 weitere Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen in Auftrag geben.

Wenn’s so leicht nicht ist: Ist es das Geld? Das der Markt größer ist und in USA noch die Nischen größer sind als der gesamte deutsche Fernsehmarkt? Und dann kann man auch mal großes Geld in diesen Nischen verbrennen und sich darauf verlassen, dass die ausgehungerten Nerds irgendwo auf der Welt auch Geld ausgeben, um sich Serien in feinstem Baltimore-Ghetto-Slang anzuschauen… — aber das Geld allein ist es auch nicht, weil hier ja auch keiner mehr vernünftige Bücher schreibt und Bücher ist billiger und es wäre zumindest schon mal ein Anfang.

Ich weiß es nicht, zumindest weiß ich, dass ich für das deutsche Fernsehen und die deutsche Literatur der Gegenwart nicht viel mehr als Verachtung übrig habe…

Aber mit Carnivale hatte es selbst HBO überzogen, die sonst nicht zimperlich mit dem Geldausgeben sind (mit dem Geld einnehmen auch nicht…) – nachdem die erste Staffel pro Folge mehr als 2Mio$ gekostet hatte, sanken in der zweiten Staffel auch die Einschaltquoten, zu einer dritten Staffel kam es daher nie.

Das Geld ist wohl vor allem in die Ausstattung geflossen, es wurden für die erste Staffel bis zu 5000 Menschen in den Kleidern der Depressionszeit eingekleidet und durch Röhrensysteme und Ventilatoren das gesamte Set in eine Dust Bowl verwandelt. Mag eigentlich in Deutschland keiner recherchieren? Wichtige Vorlage war ein Original Sears-Katalog von 1934, nach dem die Requisiten entweder von Flohmärkten zusammengekauft oder nachgebaut wurden…

Auch wenn es nie eine dritte Staffel gegeben hat, die ersten beiden sind ihr Geld auf jeden Fall wert und irgendwie hat man auch das Gefühl, man tut ein gutes Werk, wenn man HBO sponsert, solche Serien zu drehen. Und man hat das Gefühl, man tut ein böses Werk, wenn am Ende des Monats wieder die GEZ-Gebühren abgebucht werden….