Heute hab ich meinen iPod gelöscht. 60GB Musik, poof. Tat gut. Neuer Rechner, neue Synchronisation. Weniger Musik hören ist gut. Aufhören, Clips und Durcheinander zu hören. Ich höre jetzt nur noch LPs. Erinnert sich noch irgendjemand daran, was Langspielplatten sind? Diese Dinger mit zwei Seiten und einem Cover, über dem man mehrere Stunden brütete, bis man noch die letzte Sidenote gelesen hatte? Und alle Songs waren immer in derselben Reihenfolge, bis man sich genau gemerkt hatte, welcher Song nach welchem anderen Song kam? Erinnert sich noch irgendjemand?
Ich jedenfalls erinnere mich nicht mehr. Shuffle ist eine böse Erfindung von Apple und auch dieser Genius-Mix, der in iTunes ist, ist eine Erfindung des Teufels, der uns die Musik verleiden will. Wenn man keine Zeit hat, sich darüber Gedanken zu machen, welchen Song man als nächstes hören will, dann sollte man…. Keine Musik hören. Tatsächlich ist das eine Alternative zu Immer-und-überall-Musik-hören. Weniger Musik hören ist aber schon mal ein Anfang. Nur LPs hören:
- Yardbirds: Roger the Engineer, mit dem angeblich ersten psychedelischen Rocksong “Happenings Ten Years ago”, aber vor allem wegen des typischen Jeff Beck-Sounds und weil die Yardbirds die beste weiße Bluesrockband der Zeit waren (besser als die Stones…)
- Frank Zappa: Studio Tan. Hatte ich erwähnt, dass ich alle zwei Jahre eine ganzganz schlimme Zappaphase habe? Ganz schlimm. Ich höre dann nichts anderes außer Zappa, morgens mittags abends und durchstreife das Netz nach obskuren Bootlegs und der 33 Version von “The torture never stops”. Nach spätestens zwei Wochen ist der Spuk wieder vorbei und ich kann Zappa nicht mehr hören und lösche alles wieder bis in zwei Jahren.
- Hal Galper:The Guerilla Band – danke an iTunes für den langen Schwanz von Alben, die schon längst nicht mehr aufgelegt werden, aber irgendwer hat sich bei itunes dann doch die Mühe gemacht, diese schwer aufzutreibenden Schätzchen zu digitalisieren. Ich wollte unbedingt e-piano spielen, als ich mit 16 zum ersten Mal “Figure Eight” gehört hatte. Die Platte hatte ich damals beim Ausverkauf in einem Bettwäsche-Laden gefunden. Ich hab bis heute nicht verstanden, warum sie in einem Bettwäsche-Laden Platten verkauft haben, aber hier hab ich meine ersten Jazz-Alben gekauft: Einen dicken, schwarzen, leicht angemackten Schuber mit Live-Aufnahmen von Albert Ayler(fand ich scheußlich), Oscar Peterson(nett..), Jay Jay Johnson(cool bis zur totalen Unauffälligkeit), John Coltrane (nicht verstanden) und eben dann auch diese Platte für 99 Pfennig in einem Schwung von 5 anderen Platten, die ich schon längst weggeschmissen und vergessen habe…
- Hope Sandoval&The Warm Inventions: Through the Devil Softly; eine der morbideren und interessanteren Singer/Songwriterinnen, die jetzt gerade so angesagt sind. Ein bisschen lässig und ein bisschen dunkel und ein bisschen böse und mit das Beste, was man hören kann, wenn gerade die Sonne untergeht…
- und dann gibt’s ja auch noch den Ostbahnhof
Und sonst ist nix auf dem ipod. Schön. Und die Regel ist: Einer geht rein, ein anderer geht raus. Keine neuen Lieder, wenn keine alten gelöscht werden. So ist die Regel.
