“Ihrer Grundannahme allerdings, der Mensch sei ein in beständiger Entwicklung begriffenes Wesen, das in sich die Erfahrungen zu immer neuen Erkenntnissen auftürmt, teile ich ganz und gar nicht. Nehmen sie für einen Moment einmal an, es verhielte sich nicht so: Stattdessen ist die Seele eine von ständigen Einstürzen, Verletzungen, Katastrophen gezeichnete Skizze. Jede dieser Katastrophen zieht ihm die Haut ab und bespannt ihm das Fleisch mit neuen Illusionen, der Sturm fegt in jeder wachen und jeder verschlafenen Minute durch sein Hirn und reißt ihm die Vorstellungen ein, die ihm lieb und teuer und ewig geworden waren; alles liegt in Scherben und die Trümmer wehen an andere Strände. Er erwacht morgens, die Knochen schmerzen von den Kämpfen der Nacht, nicht als derselbe, der sich abends in die Laken gelegt hat. Eine dieser Figuren verschwindet noch in den Kulissen, während andere sich schon auf die Bühne seines Bewusstseins drängen. Er ist bevölkert von vielköpfigem Personal, unkenntliche Gestalten, die durch die Katakomben seines Geistes streifen und einander nur ungern begegnen, und falls sie es doch tun, beschwören sie nur Unheil herauf. Wieviele Krankheiten, die unser schutzloses Ich angreifen beruhen auf einer solchen Verwindung der Zeit, dem Erinnern…?”
