31.03.2007

 

Im Wein liegt Wahrheit

Als Daffiani abends mit diesem Artikel, den er aus einer Filmzeitschrift herausgerissen hatte, in ihr Lokal kam, war es für Fulci bereits zu spät: Er war für den Neorealismo (und später dachte er manchmal: für den Film schlechthin) bereits verloren. Er hatte sein Ausbildung von Rosselini und von de Sica erhalten – vor allem aber von de Sicas bösen Schatten. Daffiani wedelte mit den Bättern vor seiner Nase herum, bestellte Wein für alle, sagte: “Jetzt haben wir sie! Was für ein naiver Haufen von Träumern….” Fulci verspielte an dieser Stelle ein zweites Mal die Chance, jung zu sein: Während ihm der Krieg seine Jugend geraubt hatte und ihm stattdessen einen lädierten Schießprügel in die Hand gedrückt hatte, schlug er nun die Möglichkeit des Glaubens an die Fortentwicklung der Menschheit aus, jenen Traum der Jugend, die Welt sei eine formbare Masse. Daffiani dozierte weiter über die Naivität dieser Sozialromantiker, über den Film als Rausch, das Blatt lag dabei achtlos auf dem Tisch und sein Weinglas, das er darauf setzte hinterließ einander überschneidende Ringe.


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