Was die Figur des Anführers angeht, so sollte man hier die radikale Schlussfolgerung nicht scheuen: Die Demokratie kann grundsätzlich nicht über die pragmatische utilitaristische Trägheit hinausgehen, sie kann die Logik der “Güterversorgung” nicht aufheben; ebenso wie es keine Selbstanalyse gibt, weil die analytische Veränderung nur durch Übertragungsbeziehung zum externen Analytiker stattfinden kann, bedarf es folglich auch eines Anführers, um die Begeisterung für eine Sache auszulösen, um die radikale Veränderung der subjektiven Position seiner Anhänger herbeizuführen und ihre Identität zu “transsubstantiieren”.
Slavoj Zisek, Auf verlorenem Posten
(Macht Sinn: Das Gerede von dem Fehlen charismatischer Politiker, der Führungsschwäche, die Klage über das Ausbleiben jeder “wirklichen” Veränderung, die Fetischisierung des amerikanischen “Change”; – ein Volk hat als Ganzes das diffuse Gefühl, es gehörte auf die Couch, aber bislang überwiegt noch die Angst vor einem bösen Therapeuten wie Hitler…
