„Nein, es tut mir leid sie enttäuschen zu müssen: Die klassischen Schizophreniker können wir in unserem Institut nicht zulassen: Wer von Gesichten verfolgt wird, wessen Persönlichkeit in Scherben liegt, wer in jedem nur einen Verschwörer sieht, der ist mit ausführlichen Chlorpromazin-Gaben besser bedient: Dem ist nichts beizubringen, vielleicht wäre bei ihm auch alles gut, wenn nur seine Säfte in anderen Verhältnissen stünden – nein, um hier Einlass zu finden bedarf es ausgewiesener geistiger Gesundheit, wir sind kein Flüchtlingshilfswerk für überforderte Seelen.“
Milde Gaben von Quetiapin, drängten die Schatten kurzfristig in ihre Ecken zurück, aus denen sie scheinbar gekommen waren; in letzter Zeit schlief sie viel, sah viel aus dem Fenster, aber redete wenig, sie war angekommen in diesem stillen Haus am Ende der Strasse. Ein von Glyzinien bewachsener Hort für milde Irre, die sich vor neugierigen Blicken hinter raschelnden Gardinen in den Fensterwinkeln verbargen, und sich, unbeobachtet, durch eine hohe, schwere, backsteinerne Mauer von der Welt geschützt durch das Aquariums-Halbdunkel des Gartens treiben ließen…
„Ich ziehe Halperidol einer langen, fruchtlosen Debatte über den Sinn des Lebens allemal vor, wir sind alle keine Leuchten hier, man dreht sich zu schnell im Kreis und es ist allemal nicht spannend, das Zimmer ständig nach Mikrofonen absuchen zu müssen. Wenn Sie meinen, das Gerede eines Schizophrenikers offenbare Abgründe, der Seele oder Geheimnisse des Weltenlaufs, dann hören Sie diesem Gebrabbel mal ein paar Minuten zu, es offenbart ähnliche Abgründe, wie es eine Wiederholung des Musikantenstadls tut.“
