01.12.2008

 

kein zuhaus nirgends

Sokrates: Die Wahrheit und die Lüge. Phaidros: Wie denn? Sokrates: Verhalten sie sich nicht zueinander wie das Wachen und der Schlaf? Suchst du denn nicht das Erwachen und die Genauigkeit des Lichtes, wenn ein böser Traum dich besitzt? Sind wir nicht wie vom Tode erweckt durch die Sonne in Person und gestärkt durch die Gegenwart verlässlicher Dinge? – Aber erwarten wir nicht dafür vom Schlaf und von den Träumen, dass sie unsere Kümmernisse auflösen und uns die Sorgen abnehmen, die uns verfolgen in der Welt des Tages? So flüchten wir also von einem ins andere, den Tag anrufend in der Nacht; die Finsternis dagegen herbeirufend, solange wir das Licht haben; ängstlich zu wissen, allzu glücklich in unserem Unwissen, suchen wir bei dem, was ist ein Heilmittel gegen das, was nicht ist; und das, was nicht ist, soll uns Erleichterung gewähren von dem, das ist. Bald nimmt uns das Wirkliche auf, bald die Täuschung und die Seele, zum Schluss, hat keine anderen Zuflüchte als das Wahre, das ihre Waffe ist – und die Lüge, ihre Rüstung.

Platon, Phaidros(?)

(oder etwa nicht? Ich fand den Schnipsel in einem Heft von 1993, aber das Ganze ist schlampig zitiert und einige Sätze sind so dunkel und verzweifelt, dass es gar nicht zu dem passt, was ich mir von Platon immer vorstelle….)

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