Kurosawas Film(“Die sieben Samurai”) über Revolutionen und Eliten, Vorbild für Unmengen von ähnlichen Filmen, die alle nach dem Muster laufen, dass einer Unterdrückten Mehrheit gegen ein Unrecht von einer Elite geholfen wird; die Revolution verläuft hier immer nach der Prämisse, dass das Proletariat sich selber nicht helfen kann.
Das ist für niemanden leicht einzusehen: Dass deine beste Zeit vorbei ist. Es ist für den Einzelnen schwer zu ertragen und er wird sich mit allerlei Verschiebungen und Ausreden, mit Nachlässigkeiten und Verdrängungen versuchen darüber zu täuschen; und es ist für Nationen schwer einzusehen. Aber wenn wir uns nichts vormachen, dann sind Musil, Kafka, Nietzsche, Goethe, im Schnitt mehr als hundert Jahre tot und danach kam nicht viel und es scheint niemanden so sehr viel auszumachen.
Immer also, wenn man sich über den Niedergang dieses Landes Gedanken macht, wenn man die Ausplünderung durch marodierende Banden wie die FDP oder die Deutsche Bank beklagt, oder die CDU mit ihrem schmissigen Räuberhauptmann Koch, dann tritt sehr rasch auch die Frage hinzu: Wen wollt ihr denn retten? Lauter Leute, die nicht gerettet werden wollen oder die kein Interesse an Rettung haben, die mit Rettung überhaupt nichts anzufangen wissen. Bauern und Samurai…. Die Enttäuschung der 68-Generation war keine Enttäuschung darüber, dass sie nichts oder wenig erreicht haben. Es war die Enttäuschung, keinen Widerhall gefunden zu haben. In einen großen Raum hereingerufen zu haben, der still geblieben ist. Die Bild bleibt. Das deutsche Fernsehen bleibt. Die CSU bleibt. Niemand hier interessiert sich für Revolutionen.
In der Ausnahme schreibt man hier gerne Bücher, in größeren Massen zusammen stehend, verbrennt man sie lieber. Keine Literaturveranstaltung der letzten 100 Jahre hat so viele Leute zusammengebracht, wie die Bücherverbrennung der Nazis.
(Benns kurzer Flirt mit den Nazis; ein ähnliches Symptom, die Unzufriedenheit mit den Leuten, mit denen man zusammen lebt.)
