Er erwachte morgens mit einem flachen, silbrig glänzenden Gegenstand der aus seiner Seite, eine Hand breit unterhalb des rechten unteren Rippenbogens einige Zentimeter herausragte. Er verspürte keinerlei Schmerzen. Die Ränder, an denen der Gegenstand in sein Fleisch eingedrungen waren, waren auch in keiner Weise blutig oder entzündet, statt dessen schien seine Haut glatt und weich und beinah ohne Übergang in diesen Gegenstand überzugehen. Er konnte sich nicht erklären, wie dieser Gegenstand an diese Stelle und an ihn oder in ihn herein geraten konnte. Er erwog einen Moment lang, einen Arzt deswegen aufzusuchen, verschob diesen Gedanken allerdings auf den nächsten Tag, als er in seinen Kalender sah und dort einige wichtige geschäftlich Besprechungen entdeckte, die seiner Anwesenheit unbedingt bedurfte. So gut es eben ging zog er ein Hemd und einen Sacko über diesen Gegenstand an und als er sich im Spiegel betrachtete, so sah man kaum mehr als eine leichte Ausbuchtung an seiner rechten Seite, die beinah gar nicht sichtbar war, wenn er den Arm leicht hob und die Handfläche nach außen drehte, so als wollte er einem wichtigen Punkt hinweisen, der offenbar auf der Hand lag, wenn er auch nicht für alle sichtbar war. Er nahm seine Aktentasche und einen leichten Sommermantel, den er sich über den Arm legte, da die Sonne zwar zaghaft und unbeständig schien, jedoch für einen Moment eine ungewohnte, frühlingshafte Wärme verbreitete. So gewappnet verließ er das Haus, um ins Büro zu fahren.
Nur meine In-die-Laken-Versunkenheit nimmt Proustsche Züge an….
Woher hab ich das bloß: “All we ever know is the obvious”. Geht mir nicht aus dem Kopf, ist aus irgend einem Song. Hab’s im Ohr, komm nicht drauf. Passt heute irgendwie.
Jeder wusste von dem Ding im Schrank. Oder vermutete irgendwas. Oder hatte es auf dem Gang irgendwo von irgendwem gehört. Niemand wusste irgendwas genaues, deswegen redete niemand darüber. Gespräche verstummten, wenn jemand dazu kam, nur hinter vorgehaltener Hand spekulierten einige darüber, was in dem Schrank steckte.
„Was sollen wir denn tun? Der Chef weiß sicher von dem Ding im Schrank. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er nicht davon weiß. Ich kann da nicht einfach rein marschieren und irgendwas von einem Ding im Schrank erzählen. Das bringt doch nichts.“ Letzten Freitag holte sich das Ding im Schrank Seligman aus der Rechtsabteilung. Montags kam Seligman nicht zur Arbeit. Es wurde nicht viel geredet, aber alle wussten, dass ihn das Ding geholt hatte. Mittwoch war er schon ersetzt durch einen Typen namens Manichel, groß, still, teigiges Gesicht mit kleinen Augen, sprach nicht viel, hielt sich abseits, donnerstags war Seligman bereits vergessen und niemand redete drüber, weil jeder Angst hatte, dass das Ding ihn als nächstes holen würde.
Ich glaubte ihr kein Wort. Sie erfand gerne solche Sachen, um sich wichtig zu machen. Immer erzählte sie von den Projekten aus S. oder aus T., als wüsste sie über diese Projekte etwas, was man uns anderen verheimlichen will. Sie machte ein bedenkliches Gesicht und schilderte ausschweifend, dass S. Lieferschwierigkeiten hatte, die das Projekt zum Stillstand bringen würden und letztendlich, so sagte sie, wäre das Projekt unvermeidlich zum Scheitern verurteilt.